Corona Update đŸ˜·

Liebe Mitstreitende, Freund:innen und Interessierte

Ja, wir sind immer noch da und machen weiter. Trotz, und gerade wegen der Corona-Krise.

Denn sie ist in zweierlei Hinsicht fĂŒr unsere Kampagne hochaktuell:

Erstens mĂŒssen auch wir – so gut wie alle anderen auch – im pandemisch bedingten Ausnahmezustand zu Hause bleiben. Wir wollen nicht die Verbreitung des Virus riskieren. Das tut weh, denn der Amazon-Tower soll kommen und wird nicht nur das Stadtbild dominieren. Es tut besonders weh, weil Treffen, Versammlungen und Aktionen uns als Initiative ausmachten, motivierten und stĂ€rkten— mal direkt an der Baustelle, mal in der NĂ€he, mal unterwegs. Letztes Jahr begannen wir an der Warschauer Straße mit einer Kundgebung, in den darauffolgenden Monaten performten wir beim Chaos Communication Congress, wir machten Kunst-Aktionen, wir klĂ€rten auf Veranstaltungen Freund:innen und Nachbar:innen ĂŒber unser Anliegen auf, wir trafen uns mit der internationalen Vernetzung der Amazon-BeschĂ€ftigten aus den Lagerhallen, wir beteiligten uns an einer Demonstration zur Erhaltung des Kiezes, und und und


Auf der Straße und bei Veranstaltungen machten wir deutlich: Amazon,ein Taktgeber des digitalen Kapitalismus, ist kein guter Nachbar und einer der schlimmsten Arbeitgeber der Geschichte. Wir hatten noch viel vor fĂŒr dieses Jahr – doch es scheint, wir mĂŒssten uns vorerst gedulden.

Doch einer geduldigt sich nie: der Amazon-Konzern und sein Oberboss Jeff Bezos. Denn Amazon – und das ist der zweite Grund, warum wir uns umso mehr gegen Amazon stark machen wollen – gibt alles, um sich in der Corona-Krise als unentbehrlich und wertschöpfend zu profilieren. Der „AllesverkĂ€ufer” will die Gunst der Stunde nutzen, um sich fĂŒr jeglichen und jegliche Dienstleistung als alternativloses Monopol zu etablieren – vom Marketplace bis zum grĂ¶ĂŸten Rechenkraft & Cloud-Anbieter im Internet.

Er will als „systemrelevanter Faktor“ aus dieser Zeit herauskommen, auf Kosten seiner Arbeiter:innen. Bezos’ Konzern offenbart erneut –und ohne jegliche Scham–welche PrioritĂ€ten gesetzt werden: Absatzzahlen, Profit und Expansion sind ganz weit oben. Mitbestimmung, WĂŒrde und Gesundheit der BeschĂ€ftigten finden, wenn ĂŒberhaupt am Rande ganz unten Platz. Wie so oft. Sogar in Zeiten von Corona.

Das ist kaum noch ĂŒberraschend, macht uns aber immer wieder wĂŒtend. Vor allem, wenn der reichste Mann der Welt – denn sein Vermögen wĂ€chst knapp 2.500 $USD die Sekunde – per Crowdfunding Geld fĂŒr die Bezahlung seiner BeschĂ€ftigten in QuarantĂ€te sammelt. Kein Witz: Arbeitnehmer:innenrechte und gewerkschafltiche Organisation bekĂ€mpfen, die Gesundheit der BeschĂ€ftigten riskieren, und stattdessen dann Almosen sammeln. Kannste dir nicht ausdenken. Mit Macht und Reichtum kommt wohl auch Arroganz!

Doch dies bleibt nicht unbeantwortet: In zahlreichen Amazon-Lagern, vor allem in den USA, finden Streiks und Aktionen unter dem Motto “Our health over your profits” („Unsere Gesundheit vor Deinem Profit”) statt. Der Betrieb wird teilweise lahmelegt. Die BeschĂ€ftigten genießen unsere volle SolidaritĂ€t und wir hoffen, dass sie weitermachen und auf Amazons miese Praktiken aufmerksam machen.

Die Kritikebenen an den Praktiken des Konzerns sind vielschichtig. Mal ganz konkret wie im Fall der Arbeitsbedingungen, mal kaum greifbar wie die (zerstörerische) Macht von Algorithmen und mal kaum zu glauben wie die Dreistigkeit der Mittel zur Gewinnmaximierung. Fest steht jedoch: Innerhalb von 25 Jahren ist Amazon vom BuchhĂ€ndler zu einem gesellschaftlichen Problem geworden. Ein Problem das gerade in Krisenzeiten zu wachsen scheint. Den Lohn jetzt zu erhöhen, in dieser Situation, ist zynisch und unangebracht – das sagen nicht nur wir, sondern BeschĂ€ftigte auf der ganzen Welt.

Ihr seht: der Kampf gegen Amazon ist auch dann noch hochbristant und aktuell, wenn das öffentliche Leben sonst quasi stillsteht. Deswegen wollen auch wir weitermachen, mit den Mitteln, die uns zur VerfĂŒgung stehen und die wir in naher Zukunft ausprobieren werden. Wir wollen untereinander und mit euch gemeinsam öffentlich ĂŒber verschiedene Strategien diskutieren, wir wollen uns weiter mit unseren vielen in der kurzen Zeit gewonnen Partner:innen vernetzen und wir wollen hier und da im analogen Stadtbild ein Lebenszeichen von uns geben ohne verantwortungslos gegenĂŒber der Pandemie zu sein, versteht sich. Wir wollen uns mit Vertreter:innen von Ă€hnlichen Initiativen wie uns selbst, z.B. aus New York und Seattle, austauschen und ausloten, warum wir Amazon fĂŒr keinen guten Nachbar halten; wir wollen BeschĂ€ftigten aus vielen LĂ€ndern eine digitale Plattform geben, gerade jetzt zu erzĂ€hlen, mit was fĂŒr einem Arbeitgeber sie es zu tun haben, und und und.

Also, stay tuned und haltet Augen und Ohren offen. Denn es geht weiter. Fight the Tower!